Turniere ohne Reitabzeichen – geht das? Änderungen 2018 im Turniersport für Einsteiger

Hast Du auch schon mal über einen Turnierstart nachgedacht? Es wäre ja definitiv eine spannende Herausforderung für Dich und Dein Pferd! Ihr hättet ein ganz konkretes Trainingsziel, welches ihr verfolgen könnt… Und dieses Gefühl, morgens früh vor allen anderen im Stall zu sein, alles fertig zu machen und dann gemeinsam mit Deinem Pferd und einem oder zwei Helfern sich auf den Weg zu machen ist einfach super. Mal ganz zu schweigen von der Atmosphäre dort. Und erst recht nach beendeter Prüfung wenn Du weißt, dass Dein Pferd und Du rundum gut vorbereitet waren und eine sichere Vorstellung zeigen konntet. Und wenn Du dann vielleicht sogar noch mit für die Siegerehrung aufgerufen wirst – WAHNSINN!!! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und es macht wirklich richtig Spaß.

Wenn Du also vielleicht schon länger mit dem Gedanken spielst, dann ist das Jahr 2018 für Dich hier tatsächlich eine Chance. Denn es gibt ab 01.01.2018 einige Änderungen, die das Ziel haben, für Turniereinsteiger wie Dich und Dein Pferd den Spaßfaktor zu erhöhen und Eure Chancen auf Turnieren zu steigern.

„Und wenn ich kein Reitabzeichen habe“?

Das ist  kein Problem! Du brauchst keines!!! Generell will ich hier mal ganz kurz erklären, dass es  im Turniersport die Unterscheidung in sogenannte „Wettbewerbe“ und in „(Leistungs-)Prüfungen“ gibt. Die Dachorganisation des deutschen Pferdesportes ( = die FN) hat für diese beiden Bereiche umfassende Regelungen erstellt. Für Dich ist davon im ersten Schritt allerdings erstmal nur wichtig: Egal was Du startest, Du brauchst kein Reitabzeichen.

Im Bereich der „Wettbewerbe“, für welchen es die Regeln der Wettbewerbsordnung (=WBO) gibt,  brauchst Du das Reitabzeichen auch wirklich nie. Du kannst einfach dort starten. Zum Spaß, als Herausforderung, zur Übung um zu sehen wie Dein Pferd in neuer Umgebung reagiert oder halt einfach nur so.

Im Bereich der „Prüfungen“ gelten die Regeln der Leistungsprüfungsordung (=LPO). Auch hier kannst Du zunächst für zwei Jahre komplett ohne Reitabzeichen starten! Da es aber als Turniereinsteiger keinen Spaß machen würde, gegen Profi- bzw. Berufsreiter zu starten, werden die Reiter von LPO Turnieren in unterschiedliche „Leistungsklassen“ unterteilt. Ingrid Klimke, Ludger Beerbaum und z.B. Michael Jung sind Reiter der Leistungsklasse 1. Für Turniereinsteiger gibt es ab 2018 die ganz neue Leistungsklasse 7. Es handelt sich dabei um eine Schnupperlizenz, die Du für zwei Jahre kostenfrei bekommst. Du kannst damit dann mit Deinem Pferd in Prüfungen der Klasse E (E = Einstig) starten. Das ganze habe ich Dir hier auf der Grafik nochmal übersichtlich zusammengefasst.

„Was soll ich reiten? Ein WBO – oder ein LPO – Turnier?“

Jetzt fragst Du Dich vielleicht, was denn dann der Unterschied zwischen einer E-Dressur/einem E-Springen auf einem WBO Turnier und einer E-Dressur/einem E-Springen auf einem LPO Turnier ist. Es gibt ein paar Kleinigkeiten. Der größte Unterschied ist jedoch, dass es bei LPO Turnieren zur Anrechnung von Erfolgen kommt, bei WBO Turnieren hingegen nicht.

Was genau das heißt? Nun, bei den Starts auf LPO Turnieren werden die erzielten Erfolge mit der Lebensnummer Deines Pferdes in einer Datenbank verknüpft. Eine entsprechende Platzierung kann also auch noch ein paar Jahre später nachgewiesen werden. Das gleiche gilt für Dich als Reiter. Ein Beispiel wie das aussehen kann habe ich Dir hier mal mitgebracht:

Für Berufsreiter, die häufig von dem Verkauf der Pferde leben, ist das natürlich ein wichtiges Kriterium. Diese starten drum eigentlich ausschließlich auf LPO Turnieren. Für Turniereinsteiger ist diese Erfolgsanrechnung in meinen Augen jedoch irrelevant. Denn in der Regel willst Du Dein Pferd ja nicht verkaufen, sondern behalten und Dich mit ihm weiterentwickeln. Insofern ist es, um einfach mal Turnierluft zu schnuppern, eigentlich ganz egal, ob Du Dir ein WBO oder ein LPO Turnier aussuchst.

Ich empfehle meinen Schülern hierbei immer, das zu nehmen, was von allem anderen her gut passt. Wie zum Beispiel die Nähe zum eigenen Stall oder das passende Wochenende oder noch ein paar Reiter aus Deinem Stall bzw. Verein, die auch mitgehen, so dass ihr einen gemeinsamen „Turnierausflug“ machen könnt. Die Atmosphäre zwischen WBO und LPO Turnieren ist nicht so unterschiedlich, ein Erlebnis wird es also so oder so.

Bei WBO Turnieren ist die Hürde einfach noch etwas niedriger, da man sich nirgends registrieren muss und auch keine wirkliche Turnierkleidung benötigt. Man kann einfach mal starten. Auf der anderen Seite ist die Registrierung auch wirklich einfach und ordentliche schwarz-weiße Turnierkleidung kann man sich prima für den ersten Start leihen oder wirklich ganz günstig über Second-Hand Plattformen kaufen. Einen Reithelm und Stiefel oder Chaps mit Schuhen hast Du eh, Du bräuchtest also nur noch eine weiße Hose und ein Jacket. Kein Hexenwerk ?.

Mach es also eher von anderen Rahmenbedingungen abhängig, wo Du und Dein Pferd das erst mal startest. Ich habe Dir hierzu mal ein paar Kriterien zur Entscheidungsfindung zusammengestellt:

Checkliste zur Auswahl eines geeigneten ersten Turnierortes

  • Zur Familien-/Berufsplanung passendes Wochenende

  • Räumlich nah – vielleicht kann man sogar hin reiten, dann muss man sich keine weiteren Gedanken um den Transport machen

  • Möglichkeit auf dem Turniergelände vorab einmal trainieren zu können (einfach anfragen – sehr viele Veranstalter bieten das an!)

  • Begleitung durch Trainer oder Stallkollegen

  • „Gutes Gefühl“ beim vorherigen Besichtigen des Turniergeländes (ruhige und schöne Atmosphäre der Anlage, räumlich passend etc.)

 

PS: Vielleicht bist Du ja auch schon ein alter Hase und denkst Dir jetzt: „Häh – was ist daran jetzt bitte neu?“. So ganz unrecht hast Du nicht! Wirklich neu ist jetzt der Begriff „Amateur“. Die FN versucht nämlich schon seit 2013 den Spaßfaktor für Turniereinsteiger zu erhöhen. Bisher gab es „geschlossene Prüfungen“ und die „LK 0“. Es war aber in der Vergangenheit noch immer zu wenig transparent. Insofern ist dieser Schritt 2018 in meinen Augen ein weiterer in die richtige Richtung. Turnierreiten soll Spaß machen! Vor allem auch für Einsteiger, also für Amateure.

 

* Du kannst Dich jederzeit problemlos mit einem einzigen „Klick“ wieder austragen. Bis dahin liegen Deine angegebenen Daten sicher bei Mailchimp, meinem eMail Provider. Sowohl Mailchimp als auch ich sind natürlich verpflichtet, Deine Daten nicht an Dritte weiter zu geben.

4 Kommentare

  1. sbobet

    Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

    Antworten
    • Marion Irmer

      Vielen Dank für´s Lob! Es freut mich sehr, dass Dir der Artikel weitergeholfen hat.

      Antworten
  2. Lini

    Toller Artikel,aber ich hab noch ne Frage zur Schnupperlizenz. Wenn ich eine Schnupperlizenz habe, bin ich ja LK7 ist das dann automatisch auch LK D7? Kann man auch mit der Schnupperlizenz hochgestuft werden in LK6?
    Lg

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    • Marion Irmer

      Hallo Lini,
      schön, dass Dir der Artikel gefällt.
      Die jetzige LK 7 ist die früher LK 0 (=Schnupperlizenz). Damit bist du automatisch in der Dressur (und auch im Springen) der LK 7 zugehörig.
      Eine Höherstufung wie sie aber der LK 6 erfolgen kann, geht mit der Schnupperlizenz nicht. Um in die LK 6 zu kommen musst du dann die (richtige) Turnierreiterlizenz neu beantragen. Dafür wiederum brauchst du das Reitabzeichen (RA) 5.
      Alles klar? Um immer die neuesten Infos zu haben empfehle ich dir noch meinen Newsletter zu abonnieren. Den Link dazu findest Du z.B. hier: https://galoppenjo.de/index.php/newsletterabo/
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Marion

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