AM ZÜGEL – DIE 5 WESENTLICHEN PUNKTE ZUR WOHLFÜHL – ANLEHNUNG

schritt_2016-1280x868In dieser Serie möchte ich den einen oder anderen Irrtum zum Thema Anlehnung aufklären. Ich erkläre Dir dabei im Wesentlichen wie eine korrekte Anlehnung aussieht, wie sie sich anfühlt und was die wesentlichen Bedingungen dafür sind, dass Sie Dir ab jetzt gelingt!

Anlehnung. Am Zügel. Durchs Genick. Beizäumung. Aufrichtung – muss ich das alles verstehen?

 

Nein, erstmal nicht. Hier geht es zunächst einfach nur um den zentralen der ganzen Begriffe. Die Anlehnung. Anlehnung ist eigentlich etwas ganz natürliches und einfaches. Denn bei einer korrekten Anlehnung fühlt sich das Pferd wohl und kann das Gewicht des Reiters besser tragen als in jeder anderen Haltung.

Keine Angst, das hier soll keine weitere theoretische Abhandlung des Themas werden. Doch so ein bisschen Theorie ist notwendig, um die zentralen Zusammenhänge zu verstehen. Also versprochen: so wenig trockene Theorie wie nötig, so viel praktische Tipps wie möglich! In den Richtlinien für Reiten und Fahren ist Anlehnung definiert als eine stetige und weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Man sagt immer: die Anlehnung wird durch das Pferd gesucht und durch den Reiter gestattet.
Ich denke es ist sinnvoll, nochmal etwas anders dran zu gehen.

Denken wir doch einfach mal über das Wort Anlehnung als solches nach. Anlehnung, im Leben jenseits der Pferde, ist etwas sehr angenehmes. Wenn ich mich an einen Menschen anlehne dann fühle ich mich dabei wohl. Ich vertraue ihm. Ich habe Kontakt zu ihm und entspanne mich zufrieden. Genauso sollte es sich auch bei der Anlehnung zwischen Reiter und Pferd anfühlen! Doch bevor wir noch näher darauf eingehen, wie es sich anfühlt ist es wichtig zu wissen, wie es überhaupt aussieht.

Wie sieht die korrekte Anlehnung aus?

Dafür brauchen wir nochmal die Definition von oben vorhin. Dort ist die Rede von einer stetigen und weichen Verbindung. Das war es schon? Ja. Das war es schon. Im Wesentlich ist damit alles gesagt, was wichtig ist.
Jegliche Verbindung die über die Eigenschaften „stetig“ (=konstant) und „weich“ verfügt ist eine Anlehnung. Mehr wird nicht erwartet.

Allerdings steckt der Teufel natürlich im Detail, denn jeder der schon mal auch nur eine Runde auf einem Pferd geritten ist weiß, wie schwer es ist, die Hände unabhängig und ruhig zu halten, während sich das Pferd unter einem bewegt. Doch nur dann kann die Rede von einer Verbindung sein, die konstant und weich zugleich ist. Wenn man hingegen jedoch noch die eine oder andere Unsicherheit im Sattel über ein kurzes Festhalten am Zügel ausgleicht ist die Verbindung zwar prinzipiell konstant, aber nicht wirklich weich.

Zumindest nicht aus Sicht des Pferdes. Und das Pferd ist ja der Partner, der die Anlehnung suchen soll, also der, der sich anlehnt.
Wenn Du Dich jetzt fragst, warum ich gar nicht darauf eingehe, wie die Halshaltung des Pferdes bei der Anlehnung sein soll, oder in welchem Winkel die Stirn-Nasen-Linie zum Boden (vgl. Rollkur, LDR-Methode etc.) sein soll, dann muss ich sagen. Langsam! Ganz so schnell geht es nicht und dafür bräuchten wir nun doch noch etwas mehr Theorie, um mehr Zusammenhänge verstehen zu können. Und – und das ist das Wichtigste: darum geht es bei der Anlehnung auch schlicht und ergreifend nicht. Dafür haben wir die ganzen anderen Begriffe in der Überschrift, auf die ich gerne an anderer Stelle noch eingehe.

Wir wollen hier über den Punkt Anlehnung, so wie er im Sinne der Ausbildungsskala der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, verstanden wird, reden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Ich möchte also, dass jeder nach dem Lesen des Textes ein klares Bild im Kopf hat, wie Anlehnung aussieht und dass jeder eine Vorstellung davon hat, wie sich Anlehnung anfühlt.

Wenn ich an Anlehnung denke – und ich meine jetzt nicht nur im Bereich des Pferdesports, sondern das Wort ganz allgemein – habe ich ein ganz klares Bild im Kopf wie das aussieht. Wenn ihr jetzt davon ausgeht, dass man sicher am einfachsten an ein Dressurpferd denkt, muss ich Euch enttäuschen. Ich denke es ist sinnvoll ganz bewusst nicht daran zu denken. Das Dressurpferd lockt einen nämlich zu schnell auf die falsche Fährte. Wenn man an einen Dressurreiter und sein Pferd denkt, mischen sich da die ganzen anderen Begriffe wie „durchs Genick“, „in Aufrichtung“ und „Beizäumung“ ganz schnell mit in das Bild.

Das will ich aber gar nicht. Ich möchte nur die Anlehnung mit einem klaren und eindeutigen Bild verbinden und deshalb denke ich immer an ein Vielseitigkeitspferd, das mit seinem Reiter in schnellem Galopp auf der Strecke galoppiert. Dieser sichere und schnelle Galopp auf unebenem Boden wäre ohne Anlehnung zwischen Reiterhand und Pferdmaul mit großer Wahrscheinlichkeit, zumindest ab den höheren Klassen, ein absolutes Himmelfahrtskommando. Und genau dieses Bild ist perfekt, um sich vor Augen zu führen, was Anlehnung im natürlichsten und einfachsten Sinne eigentlich ist. Dass der berühmte Winkel der Stirn-Nasenlinie dabei die 90 Grad häufig weit überschreitet ist überhaupt kein Problem, denn solange es eine weiche und stetige Verbindung ist, handelt es sich um die gewünschte Anlehnung.

Wie sieht es denn nun zum Beispiel mit der Korrektheit der Anlehnung in einer Dressurprüfung der Klasse E aus, bei der sich die Stirn-Nasenlinie weit vor der Senkrechten befindet? Ist das für eine Dressur noch korrekt? Ja! In einer E-Dressur wird eine Anlehnung gefordert. Und so lange wie es dem Reiter gelingt eine weiche und konstante Verbindung zu seinem Pferd herzustellen, ist es für diese Klasse eine absolut korrekte Anlehnung.

Mehr ist es nicht! Mit Anlehnung wird nicht das Dressurpferd mit dem elegant aufgewölbten Hals verstanden. Es geht lediglich um diese spezielle Verbindung als Grundform jeglicher weiterer gymnastizierender Arbeit. Und: Nur aus einer korrekten Anlehnung heraus können alle weiteren und fortgeschrittenen Formen wie z.B. Beizäumung und Aufrichtung entstehen. Diese entwickeln sich dann im Rahmen der Ausbildung für höhere Lektionen aus der korrekten Anlehnung als Grundlage ganz selbstverständlich.
Doch bevor wir uns jetzt daran zu sehr festbeißen möchte ich lieber noch mehr darauf eingehen, wie sich Anlehnung, als Grundform für die weitere Ausbildung, denn anfühlt.

 

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